Hast du Lust auf eine sommerliche Auszeit mit viel Wald, Wasser und dem kardamonschwangeren Geruch frisch gebackener Korvapuusti (Zimtschnecken)? Im Juli 2026 waren wir drei Wochen unterwegs, mein Mann Micha und ich in unserem Vanster-Minivan. Vom Südwesten Deutschlands ging es nach Nordosten, durch Polen und das Baltikum nach Finnland. Drei Wochen Stadt-Wald-Wasser. Einige Stationen unseres Roadtrips Finnland-Baltikum-Polen teile ich hier mit dir.

Warschau: Waldoase mitten in der Millionenstadt
Nach Kurzstation in Görlitz und Breslau, zwei Städten mit wunderschöner Altstadt, sehnte ich mich nach Grün. Städte anschauen ist schön, aber inzwischen empfinde ich es auch als anstrengend. Vor allem, wenn das Thermometer täglich auf rund 30 Grad Celsius klettert. Da zieht es mich eher raus in die Natur. Die fanden wir unverhofft auf einem kleinen Campingplatz in der Warschauer Peripherie. Einmal abbiegen von der mehrspurigen Schnellstraße und drei Minuten später standen wir in einem Kiefernwäldchen. Umgeben von Bäumen war der Camping WOK wie eine eigene Welt am Rande der Riesenstadt. Das tat gut: Verschnaufen und gemütlich kochen, bevor es am nächsten Morgen mit dem Bus ins Zentrum von Warschau auf einen Asphaltmarathon ging.

Warschau war „wow“: Eine moderne, vielschichtige Großstadt, pulsierend und auffallend sauber. Den umstrittenen „Kulturpalast“ – 1955 auf Anordnung Stalins errichtet und in Polen entsprechend ungeliebt – überragen inzwischen gläserne Wolkenkratzer. Von seiner Aussichtsplattform im 30. Stock hatten wir einen Rundumblick über die Stadt. Sehenswert sind Warschaus wiederbelebte Industriestandorte. Darunter Elektrownia Powiśle, das erste Elektrizitätswerk Warschaus. Geschickt renoviert zu einem stylischen Komplex birgt es heute Läden, Cafés, Food Court und Apartments.

Masurische Seenplatte: Kerzenlicht unter Bäumen
Von Warschau aus ging es weiter an die Masurische Seenplatte. Die besteht aus hunderten kleiner und größerer Seen, die sich wie an einer Perlenschnur entland von Feldern und Wäldern reihen. In der Nähe von Elk fanden wir einen weitläufigen Campingplatz unter Bäumen. Der Platz ist liebevoll angelegt und wird geführt von einem deutschen Ehepaar, das abends entlang der Pfade Kerzen anzündete. Durch die Wälder streifen und entlang Seerosen gesäumter Ufer morgens, mittags und abends schwimmen – hier war ich in meinem Element.




Kaunas in Litauen
In Kaunas begegneten uns an diesem Freitagvormittag im Juli witzigerweise gleich sieben Brautpaare samt Entourage. Rund ums Rathaus, das die Einheimischen wegen seiner Form den „Schwan“ nennen, fanden gleichzeitig mehrere Sektempfänge statt. Ein paar hundert Meter weiter am Schlosspark von Kaunas ließen sich Paare vor dem Wahrzeichen der Stadt fotografisch festhalten. Nach einer unfassbar leckeren Rote-Beete-Suppe (Šaltibarščiai), die kalt serviert wird und uns bei der Sommerhitze erfrischte, genossen wir zum Nachtisch noch Donuts in einem jungen Café. Dort lernte ich von der supernetten Kellnerin, dass „Ačiū“ auf Litauisch „Danke“ heißt. Ich lerne eigentlich vor jeder Reise einige Sätze des Gastlandes, doch diesmal war ich mit fünf verschiedenen Sprachen (polnisch, litauisch, lettisch, estnisch und finnisch) leicht überfordert und beschränkte mich im Vorfeld auf Finnisch. Da fing ich zudem nicht ganz bei null an, da dies bereits meine fünfte Reise nach Finnland war.
Ein Wald aus Kreuzen

Von Kaunas aus fuhren wir weiter zu einem eindrücklichen Ort, dem sogenannten Berg der Kreuze. Genau genommen ist es eher ein Hügel als ein Berg. Doch er beeindruckt nicht durch Höhe, sondern durch einmalige Fülle – an Kreuzen. Schon nach den blutig niedergeschlagenen Aufständen gegen die zaristische Herrschaft im 19. Jahrhundert sollen hier erstmals Kreuze aufgestellt worden sein. 1900 waren es rund 150, 1940 schon 400 – doch immer wieder wurden sie von den Mächtigen niedergerissen. 1961 rückten die Sowjets gar mit Bulldozern an, rissen an die 2.200 Kreuze nieder und ließen sie verbrennen. Doch schon in der folgenden Nacht stellten Menschen neue auf. Bis Mitte der Siebziger räumte das Regime den Hügel noch dreimal. Doch der Kreuzzug der Kommunisten gegen den Berg der Kreuze war vergeblich. Seither darf der Hügel ungehindert wachsen. Anfang der Neunziger zählte eine Gruppe Studierender die Kreuze, bei 50.000 gaben sie auf.



Die Kreuze dort sind nicht in erster Linie christliches Symbol, sie stehen für Freiheit und gegen Unterdrückung. Kippt eines der großen Kreuze um, wird es von vielen anderen gestützt. Es ist ein immerzu wachsender Wald aus Kreuzen, durch den Besucherinnen und Besucher zu jeder Tages- und Nachtzeit hindurchstreifen können. An größeren Kreuzen und Bäumen baumeln unzählige kleine Kreuze und Rosenkränze, die bei jedem Windstoß leise klirren und zur mystischen Stimmung dieses Ortes passen. Vor dem Schlafengehen streiften wir beide noch einmal über den Hügel, beinahe allein in der stimmungsvollen Dämmerung.
Wir übernachteten in unserem Van auf dem Parkplatz des angrenzenden Klosters. Ein Mönch hielt kurz mit seinem roten VW-Bus und wies uns darauf hin, dass wir hier übernachten dürfen, jedoch nicht campieren. Also blieb der Kocher am nächsten Morgen im Auto, wir machten uns stattdessen ohne Frühstück auf den Weg. Schon über der Grenze in Lettland hielten wir spontan an einem Gelände mit kleinem Freizeitpark und Restaurant an der Via Baltica – und bekamen dort für zehn Euro pro Person (nur die Heißgetränke extra) ein Frühstück, bei dem sich der Tisch bog. Aus Höflichkeit probierten wir von allem, mit dem Ergebnis, dass mir aufgrund der Menge an Speisen beinahe schlecht wurde und ich den restlichen Tag nichts mehr essen konnte. Aber diese Gastfreundschaft und Vielfalt waren sensationell.
Am bewaldeten Ostseestrand

Nachdem wir schon reichlich stadtmüde durch die Straßen und Markthallen der wunderschönen Hauptstadt Riga gestreift waren, zog es uns in die Natur. Zunächst nach Saulkrasti, einem Örtchen an der Ostsee. Dort liegt ein dichter Waldgürtel direkt entlang des Sandstrands. Wörtlich bedeutet Saulkrasti „sonnige Küste“, doch damit war es nach unserer Ankunft erst einmal vorbei. Ein Gewitter zog auf und beendete unser erstes Bad in der Ostsee auf dieser Reise. Pitschnass kamen wir wieder am Auto an. Es stand auf einem reinen Wohnmobilstellplatz, zweckmäßig, aber ohne viel Charme.
Am nächsten Morgen wanderten wir auf dem „Sonnenaufgangspfad“ einige Kilometer durch den hauptsächlich aus Kiefern bestehenden Wald zu einer Düne – und spannten zwischendurch immer wieder die Regenschirme auf. Dennoch tat Waldluftschnuppern entlang der Ostsee einfach gut nach der vielen Fahrerei und den Asphaltabenteuern der vergangenen Tage.
Nach einem regnerischen Aufenthalt im hübschen Pärnu ging es ab Tallinn mit der Fähre weiter. Die brachte uns in rund zweieinhalb Stunden nach Helsinki. Beeindruckend allein schon die Dimension: Unser Auto stand ganz unten, auf Stockwerk -10, im Bauch der gigantischen Fähre.
Finnland: Aus der Sauna in den See
Nachdem die Fähre uns windzerzaust in Helsinki ausspuckte, war der Plan klar: Wir wollten durch Wälder wandern, in Seen schwimmen – und jeden Tag irgendwo leckere Zimtschnecken essen. Die sommerliche Hitze und damit die Lust auf Eis hatten wir fürs Erste hinter uns gelassen.

Im Lehmonkärki Resort am Päijänne-See erlebten wir zum ersten Mal eine echte Rauchsauna. Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie sich das anfühlt. Drinnen war es dunkel. Die Luft fühlte sich zwar heiß an, jedoch auf eine weiche Art, sehr angenehm – wie übrigens auch der rauchige Geruch. Abwechselnd saßen wir in einer der Saunen des Resorts oder kühlten uns im Wasser ab. Rein in die Hitze, raus in den See. Für alle, die sich fragen, warum man in Finnland das ganze Jahr über in die Sauna geht: Selbst im Hochsommer – bei 20 bis 25 Grad Lufttemperatur, was in Finnland schon als warm gilt – hatte der große Päijänne-See nur etwa 17 Grad. Weiter nördlich sind die Seen noch deutlich kühler. Deshalb ist Sauna plus See eine geniale Kombi.
Wandern in den Wäldern um Lahti







Wir blieben einige Tage bei finnischen Freunden in Lahti, bevor es weiterging nach Lappeenranta, ganz im Osten Südfinnlands. Von dort unternahmen wir eine Bootsfahrt durch den finnischen Teil des Kanals, der bis Wiborg an der Ostsee führt – ein Teilstück davon verläuft übrigens durch russisches Gebiet, das Finnland dafür gepachtet hat. Die 76 Meter Höhenunterschied gleichen acht Schleusen aus.
Unser Abendritual: Wir mieteten für jeweils eine Stunde eine der Saunen, die zum Campingplatz gehörten und direkt am bewaldeten Ufer lagen, und schwammen nach jedem Saunagang im kühlen Saimaa-See.
Zurück über Travemünde und Lübeck
Nach einer vorerst letzten Runde Zimtschnecken oder besser: Korvapuusti, ging es für uns zurück nach Deutschland. Von Helsinki aus dauerte die Fahrt über die Ostsee nach Travemünde 30 Stunden. Die verbrachten wir mit Essen, Schlafen, Lesen, Kartenspielen – und in der Sauna. Denn natürlich verfügt eine finnische Fähre über Saunen für Frauen und Männer. Nach einem Zwischenstopp bei Texter-Kolleginnen in Lübeck – noch eine unglaublich schöne und spannende Stadt – machten wir uns auf die Heimfahrt in den Süden.

Sehen wir uns bald im Wald?
Ich bin Peggy, ausgebildete Trainerin und Kursleiterin für Waldbaden. Schreib mir gerne, wenn du mit mir in den Wald möchtest. Mit meinem Newsletter bekommst du alle paar Monate Inspirationen aus der Natur in deine Mailbox.

